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Altenpflegeheime

11.05.2018 | Gisela Thiele

Altenwohnheime und Altenpflegeheime stehen unter staatlicher Heimaufsicht. In Altenwohnheimen wird Unterkunft in abgeschlossenen Wohnungen, auf Wunsch auch Verpflegung und Betreuung gewährt, wenn noch ein eigener Hausstand geführt werden kann. Alte Menschen, die wegen Krankheit oder Behinderung pflegebedürftig sind, erhalten in Altenpflegeheimen Unterkunft, Verpflegung, Betreuung und Pflege. Voraussetzung ist die Zuerkennung eines Pflegegrades. Es gibt ein großes Angebot von Altenpflegeheimplätzen unterschiedlicher Träger. Unterschiede bestehen insbesondere im Wohn-, Versorgungs-, Pflege- und Betreuungsangebot sowie in den Kosten. Die meisten Altenpflegeheime verfügen über spezifische Wohngruppen für an Demenz erkrankte Menschen. Dadurch kann ein homogenes Umfeld mit einer eigenen Lebenswirklichkeit geschaffen werden (Langner 2020, S. 8).

Wichtig ist, sich rechtzeitig um einen Heimplatz zu bemühen und zu prüfen, ob das Leistungsangebot, die Atmosphäre und die Philosophie der Einrichtung den eigenen Bedürfnissen entsprechen. Wenn auch von staatlicher Seite z.B. durch Heimgesetz, Heimmindestbauverordnung, Heimmitwirkungsverordnung und Heimpersonalverordnung bestimmte Minimalstandards für alle Einrichtungen gelten, ist es dennoch angebracht, vor dem Einzug das Heim zu besichtigen oder durch ein "Probewohnen" die Bedingungen des Wohnens, Lebens, der Pflege und Betreuung zu prüfen.

Das Kuratorium Deutsche Altershilfe (Michell-Auli und Sowinski 2012, S. 21) unterscheidet fünf Generationen von Alten- und Pflegeheimen und bringt darin die konzeptionelle sowie strukturelle Entwicklung in diesem Handlungsfeld zum Ausdruck:

1. Generation: Leitbild 'Verwahranstalt' (1940er bis 1960er Jahre: Anstaltskonzept - 'Insasse wird verwahrt', Mehrbettzimmer, minimale Ausstattung, z. B. Sanitäreinrichtungen),

2. Generation: Leitbild 'Krankenhaus' (1960er bis 1980er Jahre: Stationskonzept - 'Patient_in wird behandelt', eher Zweibettzimmer, verbesserte Ausstattung, z. T. Bäderabteilungen, eigene Physiotherapie),

3. Generation: Leitbild 'Wohnheim' (1980er und 1990er Jahre, Wohnbereichskonzept - 'Bewohner_in wird aktiviert', Wohngruppen, allmählich mehr Einzelzimmer),

4. Generation: Leitbild 'Familie' (seit ca. 1995, Hausgemeinschaftskonzept - 'Alte Menschen erleben Geborgenheit und Normalität', Loslösung von zentralen Versorgungseinheiten wie Großküche und Wäscherei, stattdessen Leben und Kochen in Wohngruppe, fast nur Einzelzimmer).

5. Generation: 'KDA-Quartiershaus' (ab 2010, Quartiershauskonzept, das auf drei Grundprinzipien basiert: Leben in Privatheit, Leben in Gemeinschaft und Leben in der Öffentlichkeit).

Zunehmend beeinflussen lebensweltorientierte Ansätze auch die Altenpflegeheime. Die Pflege in diesen Einrichtungen ist allerdings noch immer durch eine Krankenhausorientierung und damit eine medizinisch-somatische Pflege geprägt. Altenpflegeheime haben sich lange Zeit nur bedingt am Wohnen und Leben von alten Menschen orientiert. Ein lebensweltliches Pflegekonzept muss sich die spezifische Lebenswelt von Heimbewohnern erschließen und im pflegerischen Handeln darauf Bezug nehmen. (Grammer 2019, S. 17).

Gegenwärtig erfolgt ein Abbau stationärer Plätze durch Ausweitungen im Bereich ambulant betreuten Wohnens oder teilstationärer Pflege, indem diese indirekt in ambulante Konzepte umgewandelt werden. Die Angaben stationärer Einrichtungen zu Kapazitätsausweitungen legen nahe, dass ambulant betreute Wohnformen dynamischer wachsen werden als stationäre Konzepte, wenngleich dies teilweise noch auf niedrigem Niveau erfolgt. (Rothgang et. al. 2018, S. 85). Die Hinwendung von Anbietern zu ambulanten Pflegesettings kann auch aus schwindender Attraktivität der stationären Versorgung erklärt werden, wenn die Refinanzierung von stationären Einrichtungen über Heimentgelte als zunehmend schwieriger eingeschätzt wird (Sobottke 2015, S. 42).

Literatur:

Michell-Auli, Peter und Sowinski, Christine, 2012. Die 5. Generation: KDA-Quartiershäuser. Ansätze zur Neuausrichtung von Alten- und Pflegeheimen. Köln: Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA). ISBN 978-3-940054-22-7

Langner, Bernhard, 2020. Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz: Praxisleitfaden zum Expertenstandard. Berlin: Verlag Springer. ISBN 978-3-662-59688-3

Grammer, Ilona Patricia, 2019. Angehörige im Altenpflegeheim. Eine empirische Analyse der Alltagsvorstellungen und -theorien bei Mitarbeitern. Vallendarr: Dissertation an der Pflegewissenschaftlichen Fakultät der Philosophischen-Theologischen Hochschule.

Rothgang, Heinz, Wolf?Ostermann, Karin, Schmid, Achim, Domhoff, Dominik, Müller, Rolf und Schmidt, Annika, 2018. Ambulantisierung stationärer Einrichtungen und innovative ambulante Wohnformen. Endbericht. Bonn: Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit.

Sobottke, Monika, 2015. Steuerung und Vesorgungsstrukturen für Senioren und pflegebedürftige Menschen durch den Bund und die Bundesländer. In: Berthold Becher und Martin Hölscher, Hrsg. Wohnen und die Pflege von Senioren. Hannover: Vincentz. ISBN 9783866303348

Zitiervorschlag
Thiele, Gisela, 2018. Altenpflegeheime [online]. Altenarbeit.info. Bonn: socialnet GmbH, [Zugriff am: 08.08.2022]. Verfügbar unter: https://www.altenarbeit.info/altenpflegeheime.html

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Henrike Voß: Was bindet Menschen mit Demenz an das Leben? Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2022. 508 Seiten. ISBN 978-3-8487-8634-3.
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