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Selektive Optimierung mit Kompensation (SOK) nach Baltes & Baltes 1990

Das Modell basiert auf einem handlungstheoretischen Konzept und umfasst Strategien der ressourcenorientierten Zielwahl (elektive und verlustbasierte Selektion) und des optimalen Ressourceneinsatzes (Optimierung und Kompensation).

Das SOK-Modell führt drei zentrale Entwicklungsprozesse ein, die über die gesamte Lebensspanne hinweg wirken - Selektion, Kompensation und Optimierung. Hierbei wird erfolgreiche Entwicklung als Maximierung von Gewinnen verstanden, bei gleichzeitiger Minimierung von Verlusten (vgl. Baltes & Baltes 1989; 1990).

Mit Selektion ist die Auswahl geeigneter Ziele gemeint, die einer Person subjektiv erreichbar scheinen, wenn Ressourcen als begrenzt wahrgenommen werden. Persönliche Ziele werden durch Auswahl und Priorisierung auf den jeweiligen Lebenskontext festgelegt, wobei sich die elektive Selektion auf Prozesse der Entwicklung und Auswahl von Zielen bezieht. Damit sollen die Ressourcen für die Erreichung der Ziele und die Richtung der Entwicklung bestimmt werden. Verlustbasierte Selektion bezieht sich auf die Umstrukturierung von Zielen, wenn diese aufgrund von Verlusten oder Einschränkungen nicht aufrechterhalten werden können. Das kann durch Konzentration auf zentrale Ziele oder die Adaption an neue Gegebenheiten möglich sein.

Optimierung meint den Prozess der Zielverfolgung durch den Einsatz von zielrelevanten Mitteln. Zentrale Optimierungsprozesse sind der Erwerb neuer Fertigkeiten oder Ressourcen, die Übung von Fertigkeiten, die Investition von Zeit und Anstrengung und die Integration von einzelnen Fertigkeiten in größere Handlungsabläufe. So werden die zur Verfügung stehenden Ressourcen auf die konkrete Zielauswahl konzentriert, gepflegt oder gegebenenfalls trainiert. Optimierung trägt damit zu den Entwicklungsgewinnen bei.

Zur Vermeidung von Verlusten trägt die Kompensation bei, die die Substitution von eingeschränkten Handlungsoptionen durch neu erworbene oder zuvor ungenutzte Ressourcen sowie den Einsatz von Hilfsmitteln bzw. die Nutzung informeller Netze nahelegt. Kompensation ist nach dem SOK-Modell neben der verlustbasierten Selektion die zweite Möglichkeit, Ressourcenverluste zu bewältigen.

Das SOK Modell beschränkt sich nicht nur auf die getrennte Betrachtung von entweder Ressourcen (Garfein & Herzog 1995; Rowe & Kahn 1997) oder Prozesse der erfolgreichen Entwicklung (P. Baltes & Baltes 1990; Brandtstädter & Renner 1990; Heckhausen & Schulz 1995), sondern untersucht das gemeinsame Wirken von Ressourcen und Strategien für ein erfolgreiches Altern.

Als Indikatoren des Ressourcenstatus wurden beispielsweise demographische Merkmale (Bildungsstand, Sozialprestige), intellektuelle Leistungsfähigkeit (Wortflüssigkeit, Verarbeitungsgeschwindigkeit des Gehirns), Gesundheit und das informelle und formelle Netz, auch die Kinderanzahl verwendet, um zielgerichtet Alltagsbelastungen messen zu können.

Wenn eine Balance zwischen den drei zentralen Dimensionen Selektion, Kompensation und Optimierung hergestellt werden kann, wird das subjektive Wohlbefinden erhöht oder stabilisiert.

Das SOK-Modell ist empirisch durch Studien gut belegt, indem SOK-Prozesse während des gesamten Erwachsenenalters bis ins hohe Alter hinein zur erfolgreichen Entwicklung und für ein hohes Wohlergehen wirksam sind.

Kernaussage: Selektion, Optimierung und Kompensation tragen als Grundprozesse zur Erhaltung von Handlungskompetenz und Lebensqualität auch bei Funktionsverlusten und Einschränkungen bei. Die Entwicklungsprozesse der Selektion, Optimierung und Kompensation zur erfolgreichen Alterung laufen nicht nebeneinander her, sondern bleiben aufeinander bezogen und wirken zusammen.

Literatur

Baltes, Paul B. und Margret M. Baltes, 1989. Erfolgreiches Altern: Mehr Jahre und mehr Leben. In: Margret M. Baltes, Martin Kohli und Klaus Sames, Hrsg. Erfolgreiches Altern: Bedingungen und Variationen. Bern: Huber, S. 5-10. ISBN 978-3-456-81841-2

Baltes, Paul B. und Margret M. Baltes, 1990. Psychological perspectives on successful aging: The model of selective optimization with compensation. In: Paul B. Baltes und Margret M. Baltes, Hrsg. Successful aging: Perspectives from the behavioral sciences. New York: Cambridge University Press. S. 1-34. ISBN 978-0-521-43582-6.

Brandtstädter, Jochen und Gerolf Renner, 1990. Tenacious goal pursuit and flexible goal adjustment: Explication and age-related analysis of assimilative and accommodative models of coping. In: Psychology and Aging. 5, S. 58–67. ISBN 978-0-123-80882-0

Garfein, Jack und Ars Herzog, 1995. Robust aging among the young-old, old-old, and oldest-old. In: Journal of Gerontology. Social Sciences. 50B S77–S87. ISBN 978-8-73959-8

Heckhausen, Jutta und Richard Schulz, 1995. A life-span theory of control. In: Developmental Psychology. 25, S. 109–212. ISBN 978-0-534-26436-9

Rowe, John W. & Robert L. Kahn, 1997. Successful aging. In: The Gerontologist. 37. 433–440. ISBN 00169013

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Andrea Schiff, Hans-Ulrich Dallmann: Ethik in der Pflege. UTB (Stuttgart) 2021. 238 Seiten. ISBN 978-3-8252-5587-9.
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