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älteres Paar lächelt sich an

Wohnstifte

Zu den gehobenen Wohnformen im Alter gehören Wohnstifte, die auch mit dem Begriff Seniorenresidenz beschrieben werden, wobei dieser Begriff rechtlich nicht geschützt ist, so dass heute teilweise auch normale Altenpflegeheime so genannt werden. Es ist eine stationäre Wohnform mit Hotelcharakter meist in innerstädtischer Lage. Es ist eine Möglichkeit, einen qualitativ hochwertigen Lebensstandard bis ins hohe Alter beizubehalten. Wohnen im Wohnstift, heißt, in der eigenen Wohnung oder dem Appartement zu leben, mit eigenem Schloss, Klingel und eigenem Briefkasten. Dieses Konzept bietet ein Höchstmaß an Privatsphäre und Selbstbestimmtheit und zugleich eine Betreuung, wenn sie erforderlich ist (BMFSFJ 2017, S. 50).

Der ältere Mensch lebt selbstständig unabhängig von einem vorgegebenen Tagesablauf in einer altersgerechten Wohnung oder einem Appartement entweder mit einer komfortablen Ausstattung durch die Residenz oder eigenem Mobiliar.

Wohnstifte müssen anders als Pflegeheime weitgehend privat finanziert werden und unterliegen ebenso wie alle Pflegeheime dem Heimgesetz (HeimG). Nach dem Übergang der Gesetzgebungskompetenz für das öffentlich-rechtliche Heimrecht vom Bund auf die Länder im September 2006 werden sie durch Landesgesetze besonders geregelt (Art. 125a Abs. 1 Satz 2 GG). Die Wohnungen werden meistens gekauft oder gemietet. In den meisten Einrichtungen wird eine Monatspauschale, die die Wohn- und Betreuungskosten umfasst, gezahlt. Sie enthält die Mietkosten für das eigene Appartement und die Miete für die Gemeinschaftsflächen, die bis zu 50% der Wohnanlage betragen können. Viele dieser Anlagen bieten auch integrierte Pflegestationen, um im Falle der Pflegebedürftigkeit in der gleichen Anlage verbleiben zu können.

Bei Wohnstiften wird in der Regel zusammen mit dem Wohnentgelt ein umfangreiches Angebot an Leistungen mitbezahlt (beispielsweise Bibliothek, Restaurant, Schwimmbad, Café, Sauna, Clubraum o. ä.). Diese Leistungen sind im Gegensatz zum Betreuten Wohnen nicht frei wählbar, weil sie zum Bestand der Anlage gehören. Wenn bestimmte Angebote (Sauna etc.) nicht in Anspruch genommen werden, müssen sie trotzdem als pauschales Wohnentgelt (Pensionspreis) bezahlt werden.

Bei Wohnstiften sind die Standardleistungen umfangreicher und enthalten häufig bereits die tägliche Mittagsmahlzeit (3-Gänge-Menü), sämtliche Nebenkosten und Nutzungsrechte für die komplette Infrastruktur. Zu den häufig inkludierten Leistungen der Wohnstifte gehören die wöchentliche Reinigung der Wohnung, die Fensterreinigung, die Telefonate innerhalb der Anlage, eine Notrufanlage, die Nutzung der Gemeinschaftsräume oder die Pflege in der Wohnung bei vorübergehender Erkrankung. Leistungen, die über das umfassende Grundversorgungsangebot hinausgehen, können hinzugebucht werden.

Wohnstifts- oder Residenzanbieter sind an einen gekoppelten Wohn- und Dienstleistungsvertrag gebunden, weil sie dem Wohn- und Betreuungsvertragsgesetz (WBVG) unterliegen und den dort gültigen Abweichungen vom Mietrecht. Im WBVG ist beispielsweise geregelt, dass der Wohnstiftsvertrag bei Tod des Bewohners nach 14 Tagen endet, sämtliche Entgelte für Betreuung und Speisen sogar tag-genau mit dem Tod. Im betreuten Wohnen dagegen, müssen die Angehörigen Miet- und Serviceverträge bei Tod ganz normal kündigen und in der dreimonatigen Kündigungsfrist weiterbezahlen.

Literatur:

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 2017. Länger zuhause leben. Ein Wegweiser für das Wohnen im Alter. Berlin: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Verfügbar unter: https://www.bmfsfj.de/blob/94192/adbce0150263828d720eb6c908955dc4/laenger-zuhause-leben-wegweiser-data.pdf.

Thiele, G., 2001. Soziale Arbeit mit alten Menschen: Grundwissen für Studium und Praxis. Köln: Fortis Verlag. ISBN: 978-3-933430-74-8

 

Aktuelle Rezension

Buchcover

Andrea Schiff, Hans-Ulrich Dallmann: Ethik in der Pflege. UTB (Stuttgart) 2021. 238 Seiten. ISBN 978-3-8252-5587-9.
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