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ältere Frau beim Nordic Walking

Wohnen zu Hause

11.05.2018 | Gisela Thiele

Ältere Menschen leben häufiger allein und die meisten von ihnen wollen auch im Alter ihren Lebensabend in einer ganz normalen Wohnung – und zwar am liebsten in der eigenen bzw. im angestammten Quartier verbringen. Aufgrund kleinerer Familiengrößen und der zunehmenden Erwerbstätigkeit von Frauen und Männern stehen weniger Angehörige zur Verfügung, die sich um die Älteren kümmern können. Und diejenigen, die dazu bereit sind, leben aufgrund wachsender Mobilität oft nicht in der Nähe. Wenn ältere Menschen weniger auf die Hilfe von Familienangehörigen zurückgreifen können, müssen sich die Rahmenbedingungen verändern: beispielsweise in der baulichen Gestaltung der Wohnungen und in den Pflege­ und Versorgungsstrukturen (BMFSFJ 2019, S. 15).

Vordergründig sind unterschiedliche Wohn- und Betreuungsangeboteinnovativ weiter zu entwickeln und sie kleinräumig verknüpft in die Wohngebiete zu integrieren. Dort wo Jung und Alt zusammenleben, wird es am ehesten gelingen, gegenseitige Hilfe und Eigenverantwortung für das Wohnen im Alter zu stärken (Kremer-Preiß und Stolarz, 2004 S. 87).

Wohnen ist Grundbedürfnis jedes Menschen und entspricht seiner sozialen Daseinsform. Neben rein physiologischen Erfordernissen wie Schutz vor Witterung, Raum zum Ruhen, Entspannen und Schlafen, Platz zur Nahrungsaufbereitung und – aufnahme, zur Körperpflege, hat die Wohnung psychische und soziale Bedürfnisse wie Intimität, Privatheit, Rückzug, Geselligkeit, Kommunikation u.v.a. zu erfüllen. Diese Kriterien sind universell und altersunabhängig. Für alte Menschen erlangt die Wohnung und das Wohnumfeld besondere Bedeutung. Vor dem Hintergrund der steigenden Lebenserwartung verbringt der Deutsche nahezu ein Viertel seiner Lebenszeit im Ruhestand und ca. 80% in der Wohnung (Vogt et al. 2017, S. 12).

Die Grenzen des eigenen Lebensraums werden mit zunehmendem Alter enger, wodurch die Wohnung zum zentralen Lebens – und Aufenthaltsort wird. Stärker als in anderen Lebensphasen, die bestimmt sind durch ständig wechselnde, stark differenzierte Aktivitäten in Beruf, Familie und Freizeit in verschiedenen räumlich – sozialen Kontexten, ist die Wohnung im Alter Mittelpunkt des Lebens und die Wohnbedingungen bestimmen im Wesentlichen die Lebensqualität. Gründe für die zunehmende Fixierung auf die Wohnung und das wohnortnahe Umfeld sind sowohl die abnehmende Mobilität als auch gleichzeitig die zunehmende Umweltabhängigkeit, die durch eingeschränkte Ressourcen im Alter schwerer zu realisieren sind. Zur Verbesserung des individuellen Wohnumfeldes kann ein Finanzierungszuschuss über eine altersgerechte Umbaumaßnahme gewährleistet werden (§ 40 Abs. 4 SGB XI). Voraussetzungen dafür sind: ein Pflegegrad muss vorliegen und es sollte eine erhebliche Erleichterung der häuslichen Pflege bzw. der selbständigen Lebensführung des Pflegebedürftigen gesichert werden. Die Pflegekasse erstattet pro pflegebedürftige Person bis zu 4.000,00 Euro für eine Umbaumaßnahme. Leben mehrere pflegebedürftige Personen in einem Haushalt (Wohngemeinschaft), ist der Zuschuss pro Umbaumaßnahme auf 16.000 Euro begrenzt.

 

 

Literatur:

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), 2019. Länger zuhause leben. Ein Wegweiser für das Wohnen im Alter. ISBN: 978-3-933430-74-8

Kremer-Preiß, Ursula und Stolarz, Holger, 2004. Neue Wohnkonzepte für das Alter und praktische Erfahrungen bei der Umsetzung – Bestandsanalyse – Zwischenbericht im Rahmen des Projektes‚ Leben und Wohnen im Alter der Bertelsmann Stiftung und des Kuratoriums Deutsche Altershilfe. Köln: Bertelsmann. ISBN: 3-935299-46-X

Vogt, Matthias, Fondis, Kristina, Menzen, Karl-Heinz und Thiele, Gisela, 2017. Kunst und Demenz. Görlitz: Institut für kulturelle Infrastruktur in Sachsen. ISBN 978-3-944919-17-1

Wolf, Ostermann, Worch, Andreas und Gräske, Johannes, 2012. Ambulant betreute Wohngemeinschaften für Menschen mit Demenz. Berliner Beiträge zu Bildung, Gesundheit und Soziale Arbeit. Band XI. Berlin: Schibri Verlag. ISBN 978-3-86863-099-2

Zitiervorschlag
Thiele, Gisela, 2018. Wohnen zu Hause [online]. Altenarbeit.info. Bonn: socialnet GmbH, [Zugriff am: 03.12.2022]. Verfügbar unter: https://www.altenarbeit.info/wohnen-zu-hause.html

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Buchcover

Ruth Ketzer, Renate Adam-Paffrath, Manfred Borutta u.a.: Ambulante Pflege in der modernen Gesellschaft. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2020. 159 Seiten. ISBN 978-3-17-032856-3.
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